HAL BUSSE. WERK UND WIRKEN

Laufzeit: Sa, 15. – Sa, 29. August 2026
Vernissage: Fr, 14. August 2026, ab 18 Uhr
Programm:
Sa, 15. August 2026, 11:30 Uhr:
Offene Diskussionsrunde mit Podiumsgespräch zum Thema Frauen in der Kunst
Sa, 22.August 2026 um 15:00 Uhr:
Einladung zum Gespräch zu Künstlerischen Nachlässen
Öffnungszeiten: Täglich 15 – 19 Uhr und nach Vereinbarung
Finissage: Sa, 29. August 2026, bis 22 Uhr

Archiv | Kontakt:
 Jana Noritsch, archiv@halbusse.de
Anmeldung Presse | Kontakt: Birgit Hübner, info@halbusse.de

Zeitgleich erscheint eine biografische Publikation, die zentrale Aspekte von Hal Busses künstlerischer Praxis zusammenführt (Verlag ciconia ciconia, ISBN 978-3-945867-71-6).

 

Im Jahr des 100. Geburtstags der Künstlerin Hal Busse (1926–2018) präsentiert ihr Nachlassarchiv eine konzentrierte Auswahl zentraler, teils selten gezeigter Werke aus ihrem Œuvre in der Barlach Halle K. Die Ausstellung „Hal Busse. Werk und Wirken“ führt Gemälde, Reliefs, Zeichnungen und Objekte zusammen und eröffnet damit einen Einblick in ihre künstlerische Praxis, die sich über Jahrzehnte hinweg zwischen Figuration und Abstraktion entfaltet. Mit bürgerlichem Namen Hannelore Busse, heiratete die Jagstfelderin (Baden-Württemberg) 1956 den Maler Klaus Bendixen. Seit 1961 lebte die Familie in Hamburg, da Bendixen Professor am Lerchenfeld (HFBK) wurde.

Die Werkschau setzt in der Mitte der 1950er Jahre ein – einer Phase, in der Busse, ausgehend von figurativen Motiven wie den „Badenden“, eine zunehmende Verdichtung von Form, Farbe und Struktur entwickelt. Bereits hier zeigt sich, was ihr Werk langfristig prägt: das gleichzeitige Nebeneinander unterschiedlicher bildnerischer Ordnungen. Figuration löst sich nicht einfach zugunsten der Abstraktion auf, sondern bleibt kontinuierlich präsent – als Rhythmus, als Anordnung von Menschen im Raum. Gleichzeitig sind Busses Abstrahierungen bis hin zu Nagelreliefs ab 1957 nicht als Bruch zu verstehen, sondern als immanente Verschiebung von Gewichtungen in ihrer Werkentwicklung: Farbe wird Träger von Bewegung — bis sie „einen Zentimeter in den Raum springt“, Fläche wird zum Feld serieller Setzungen, das Bild zum Ort einer neuen, differenzierenden Sprache.

In den Arbeiten der späten 1950er und frühen 1960er Jahre intensiviert sich Busses Interesse an seriellen, materialbezogenen Strukturen. Punktuelle Setzungen, Verdichtungen und Streuungen organisieren die Bildfläche, bis sie, in den Reliefs und Objekten, das Bild in den Raum überführt: Dann werden die Elemente zu variablen Systemen, die sie auch in ihren Kunst-am-Bau-Projekten umsetzt. Die Raumplastiken der späten 1960er und 1970er Jahre machen deutlich, dass es Busse zunehmend um Gedanken zu „Wie wollen wir leben?“ geht: Sie entwickelt ihre visionären, variablen Plastiken wie das selten präsentierte Objekt „Trinité (Alleen)“ von 1973. Zugleich entstehen in Hamburg Hal Busses reduzierte „Elbe-Zeichnungen“ – Arbeiten, in denen sie das ihr vertraute Motiv des Wassers, das sie kontinuierlich begleitet (Neckar, Seine, Elbe, Nil), in dichte, flächige Strukturen überführt. Hal Busse zeigte diese Zeichnungen 1968 und 1971 im Kunsthaus Hamburg sowie in einer Gruppenausstellung des BBK, allerdings wird eine Auswahl dieser Arbeiten nun erst erneut zugänglich gemacht.

Die Ausstellung konzentriert sich auf Werke aus der Mitte der 1950er Jahre bis in die 1970er Jahre und zeigt entscheidende Entwicklungen innerhalb eines kontinuierlichen künstlerischen Prozesses. Kuratiert von Johanna Bendixen – Tochter der Künstlerin und Mitbegründerin des Hal Busse Archivs – und der Werkverzeichnisautorin Jana Noritsch ist die Ausstellung Teil eines umfassenden Forschungsprojekts, das seit 2020 die wissenschaftliche Erschließung des Werkes und des schriftlichen Nachlasses vorantreibt. Begleitend erscheint eine Biografie, die zentrale Aspekte von Busses künstlerischer Praxis zusammenführt und kunsthistorisch einordnet.

Ein Vermittlungsprogramm mit Führungen durch die Ausstellung und einer Podiumsdiskussion zur Rolle von Künstlerinnen im Kunstbetrieb der Nachkriegszeit und heute sowie einem zusätzlichen Fokus auf Künstlernachlässe erweitert die Ausstellung in den öffentlichen Diskurs.

Unterstützt wird die Ausstellung durch die Galerie Volker Diehl, Berlin.

Mit „Werk und Wirken“ wird Hal Busse in Hamburg, einem zentralen Ort ihres Lebens und Arbeitens von 1961 bis 1989, erstmals umfassender sichtbar.

 

Abbildungen:

Hal Busse
„Besonntes Rot 58 (Bild 11)“, 1957/1958
@ Hal Busse Archiv (Inv-WVZ-00035)
Fotograf: Marcus Schneider
Courtesy: the artists estate und Galerie Volker Diehl, Berlin

Hal Busse
„O.T.“, um 1954
© Hal Busse Archiv (Inv-WVZ-04915)
Fotograf: Marcus Schneider
Courtesy: the artists estate und Galerie Volker Diehl, Berlin

Hal Busse
„O.T.“, um 1959
@ Hal Busse Archiv (Inv-WVZ-11714)
Fotograf: Marcus Schneider
Courtesy: the artists estate und Galerie Volker Diehl, Berlin

Hal Busse
„Trinité (Alleen)“, 1973
serielle Variationsplastik mit variablem Format (Modell für Stahl)
@ Hal Busse Archiv (Inv-WVZ-11515)
Fotograf: Marcus Schneider
Courtesy: the artists estate und Galerie Volker Diehl, Berlin

Hal Busse
„O.T.“, 1958
@ Hal Busse Archiv (Inv-WVZ-04916)
Fotograf: Marcus Schneider
Courtesy: the artists estate und Galerie Volker Diehl, Berlin

Hal Busse
„Entwurf Keramikrelief Sporthalle, Wettbewerb (Hochbauamt Stuttgart)“,
o. J. ca. 1959/1960
@ Hal Busse Archiv (Inv-WVZ-11710)
Courtesy: the artists estate und Galerie Volker Diehl, Berlin

 

www.halbusse.de